Herzlich Willkommen 



07.06.2022

Liebe Mitglieder und Freunde des Heimatkreises !


Unsere nächste Veranstaltung wird die Teilnahme bei der 

"Langen Nacht der kleinen Museen" .


Wir öffnen unsere Bockwindmühle zur Besichtigung 

am 25.06.2022, in der Zeit zwischen 18.00 Uhr - 22.00 Uhr.






24.04.2022


Liebe Mitglieder und Freunde des Heimatkreises !

Wir freuen uns über jeden Kommentar, über Anmerkungen, Korrekturen oder Ergänzungen unserer Veröffentlichungen!

Unsere Serie  " Die Lichtenberger Gastronomie - früher und heute"  geht weiter.

Wir veröffentlichen :

Teil 4    Burgberg

Auch dieser Vortrag wurde uns zur Verfügung gestellt von unserem Vereinsmitglied: Wilfried Knorr  - Vielen Dank !


Unser Stadtteil Lichtenberg verfügt im Vergleich zu einigen anderen Stadtteilen und Ortschaften in Salzgitter noch über ein Angebot mehrerer Gastronomie Betriebe mit zum Teil sehr langer, interessanter Historie.

Diese Gasthöfe, Gastwirtschaften und Hotels, zum Teil nicht mehr vorhanden, sollen hier nacheinander vorgestellt werden:

Der Amtskrug

(veröffentlich t: 19.12.2021 siehe unten)

Lichtenberger Hof - ehemals Gasthof zur Linde"

(veröffentlicht: 29.12.2021 siehe unten)

Das Waldkurhaus

(veröffentlicht: 15.02.2022 siehe unten)

Der Burgberg


Altes Zollhaus


Hotel Sonnenhof



Zum Ende des 19. Jahrhunderts, mit fortschreitender Industrialisierung, stieg auch das Einkommen der Bevölkerungsschichten, welche nicht dem Mittelstand zugerechnet wurden. Dieser Teil der Bevölkerung war nun finanziell auch in der Lage, in die „Sommerfrische“ zu fahren. Um dieses stolz seinen daheimgebliebenen Bekannten, Mitmenschen und Familien mitteilen zu können, wurden von den Betreibern der Gästeunterkünfte, in der Regel Gasthöfe, Postkarten der jeweiligen Orte und Unterkünfte angeboten, auch um für sich einen eigenen Werbeeffekt zu erzielen.

Die verwendeten älteren Bilddokumente sind Motive von Postkarten aus dem Fundus unseres verstorbenen Mitgliedes Hans Jürgen Wenzel.

Einige Informationen und Daten sind der Chronik

 „Lichtenberg“ die Geschichte eines braunschweigischen Dorfes, 

von seinen Anfängen bis heute.

entnommen.


Der Burgberg 

Aus den Anfängen:


Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs entwickelte sich in der Folgezeit in der Bevölkerung ein intensiveres Nationalbewusstsein.
Es wurden in vielen Lebensbereichen der Bevölkerung Vereine gegründet. Es entstanden freiwillige Feuerwehren, Turnvereine, Gesangvereine und auch Heimatvereine zur Pflege der Tradition, Kultur und Historie. Vielerorts wurden Bismarcktürme errichtet.

Auch in Lichtenberg und seinen Nachbargemeinden folgte man diesem Trend. Zur Pflege und Erhaltung der auf dem Burgberg vorhandenen Burgruine, der Burg Heinrich des Löwen, erbaut zwischen1170 und 1180, zerstört 1552 von Vollrad von Mansfeld. Die Burg war nach ihrer Zerstörung ein Ruinenfeld. Diese Ruine war als Steinbruch frei gegeben. Einige Gebäude der Domäne Lichtenberg, nach der Zerstörung der Burg jetzt Amtssitz geworden, wurden aus den Bruchsteinen der Burgruine errichtet, ebenso die Domänenmauer. Auch Mauern und Fundamente einiger Häuser in Lichtenberg wurden aus diesen Steinen errichtet.

Zur Ordnung und zum Erhalt der verbliebenen Ruinenteile, sowie zur Wiedererrichtung des Bergfrieds fanden sich Bürger zusammen, um sich dieser Aufgabe zu widmen. Als erstes Bauvorhaben wurde der Fahrweg zum Burgberg befestigt. In der Grundsteuerrolle 1874 - 1881 ist auf dem Burgberg eine „Baugesellschaft Lichtenberg“ mit einem Restaurationsgebäude ohne Wohnraum verzeichnet. Dieses Restaurationsgebäude war wohl nur eine mehr oder weniger massive Holzhütte. Sie diente als Unterstand und Ausschank bei Treffen und Veranstaltungen. In den Anfängen gab es keine feste Bewirtschaftung. Die Belieferung von alkoholischen Getränken erfolgte im Wechsel durch die Wirte vom Zollhaus und Gasthof zur Linde. Als erster fester Wirt ist ein Carl Ackenhausen überliefert. Dieser ging 1892 nach Halberstadt; sein Nachfolger wurde Heinrich Miehe.

1892 wurde der „Verschönerungsverein Burgberg Lichtenberg“ gegründet. Gründungsmitglieder waren u.a. der Reichstagsabgeordnete Landwirt Albert Schwerdtfeger (Osterlinde) als Vorsitzender, Amtmann Langenstraßen (Domäne Lichtenberg) als Geschäftsführer, sowie weitere Honoratioren, welche auch mit größeren Summen Geld für die gesetzten Ziele einbrachten.

Am 31. März 1893, einem Karfreitag, brannte die Holzhütte auf dem Burgberg ab.
Der neu gegründete Verschönerungsverein war nun gefordert, für das abgebrannte Gebäude, viel eher als ursprünglich geplant, zeitnah Ersatz zu schaffen, denn der Burgberg und die umliegenden Buchenwälder in Lichtenberg mit ihren Wanderwegen wurde als Ausflugsziel immer beliebter.



Bericht über die Burg Lichtenberg in einem Braunschweiger Journal, erschienen 1911
Werbung für die Burg Lichtenberg 




Vermessungsriss Blatt 1:   Lageplan mit Maßen der Gebäude des "Gastronomiebetriebes Burgberg Lichtenberg"                                                  als Grundlage des Pachtvertrages.

Erstellt 1898 für die Herzogliche Forstbehörde, geprüft vom Herzoglichem Forstamt Lichtenberg, anerkannt für den Verschönerungsverein Burg Lichtenberg durch Oberamtmann A. Langenstrassen.



Vermessungsriss Blatt 2:     Lageplan mit Maßen und Flächengrößen

Der im oberen Teil des Bildes als Fußweg bezeichnete Weg mit Einstieg am Waldkurhaus, im Volksmund                als "Zick-Zack-Weg" bezeichnet, wurde von fast allen Besuchern und Gästen des Burgbergs fußläufig genutzt.

Quelle: Salzgitter Lichtenberg "Im Spiegel der Historie"


1893/94 wurde ein Wohnhaus mit Gaststätte und kleinem Saal errichtet. Des Weiteren wurde ein Pavillon (Veranda) mit Ausschank und Wohnraum im Obergeschoß errichtet (1893/94).

Zur Wichtigkeit dieses Bauvorhaben ist überliefert, dass der ausführende Bauunternehmer und Zimmermann C. Ottmar aus Gebhardshagen sich vertraglich verpflichtet hatte, bei nicht fristgerechter Fertigstellung des Wohnhauses zum 7. Oktober und des Saales zum 20. Oktober 1894, für jeden Tag Überziehung eine Entschädigung von 10 Mark täglich zu zahlen. 

Zur Wasserversorgung wurde der alte ca. 80m tiefe Burgbrunnen wieder gereinigt, hergerichtet und 1924 mit einem Brunnenhaus versehen.

1895 wurde rechts neben der Toreinfahrt zur Vorburg (heute Standort des Containers vom Förderverein) ein Pferdestall errichtet; für das Nutzvieh der Wirtsleute und, wie auch bei anderen Ausflugslokalen, als Unterstellmöglichkeit für die Reit -und Kutschpferde der Gäste. 1926 wurde an den Pferdestall ein Wagenschauer angefügt.

Erster Wirt im neuen Haus war der vorherige Gastwirt Heinrich Miehe. 

Postkarte von 1900. 

Runder Bildausschnitt: Blick aus Richtung Norden auf die Gaststätte und Saal
unterer Bildausschnitt: links Ruinen, dahinter Pavillon (Veranda) mit Ausschank, Wohnraum im Obergeschoß
rechts: Wohngebäude mit Gaststätte und Biergarten


Postkarte von 1899: Ansicht auf Lichtenberg und Burgberg Richtung Süden


Vergrößerung des "lyrischen Testes" der oberen Postkarte 



1902 wurde die Gaststätte zur Neuverpachtung ausgeschrieben.

Am 1. Juli 1902 begann die Zeit der Pächterfamilie Semp über drei Generationen.


Fotopostkarte von 1906 mit Familie Hermann Semp sen. im Biergarten vor dem Ostgiebel der Gastwirtschaft.



Fotopostkarte von 1906:

Gesamtansicht Ruinen, Bergfried, Gastronomiegebäude und Biergarten Burg Lichtenberg


Unter der Bewirtschaftung der Familie Hermann Semp sen. nahm der Gastronomiebetrieb des Burgbergrestaurants einen schnellen Aufstieg.
Tanzvergnügen zu Ostern und Pfingsten, „Heiratsmärkte“, Platzkonzerte, Veranstaltungen der örtlichen Vereine und Vereine aus dem Umland, trugen dazu bei. Am Wochenende wurde ein Sonderzug aus Braunschweig eingesetzt.






Festveranstaltungen des Landwehrvereins Salder 1907 und 1912 auf dem Burgberg. 



 Eintrittskarten und Programm zu Jubiläumsveranstaltungen "Landwehrverein*  Amt Salder"

* Landwehrverein:

Vereinigung von Reservisten, welche ihren Wehrdienst absolviert oder an Kriegen teilgenommen haben. Gründung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Intensiv wieder aufgelebt nach dem Krieg 1870/71.
Ihre Ideale lt. alter Vereinssatzungen: Liebe und Treu für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland ............
Anhänglichkeit an die Kriegs- und Soldatenzeit im Sinne kameradschaftlicher Gesinnung aufrecht zu erhalten.


Bis 1931 waren Familie Maria und Hermann Semp Senior die Wirtsleute.

Ab 01. April 1931 wurde die Gastronomie von Hermann Semp Junior mit seiner Frau Elsbeth weitergeführt. Der Pachtvertrag lief immer über 6 Jahre, nur der Pachtzins wurde jeweils angepasst.

In diese Zeit fällt die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Neben den üblichen Feiern und Veranstaltungen wurde der Burgberg auch von dieser Partei zu Großveranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern genutzt. 1933 wurde das Schlageter Kreuz eingeweiht. (Standort heute : „Kanzel Salzgitter“)

Albert Leo Schlageter, ein von den Nationalsozialisten glorifizierter „Widerstandskämpfer“ nach dem 1. Weltkrieg, als die links rheinischen Gebiete durch die Franzosen lt. Versailler Vertrag besetzt waren.

Zu diesem Anlas wurde von Hermann Semp jun. eine Postkarte aufgelegt.


Postkarte:  Schlageter – Kreuz - aufgelegt von H. Semp jun.

Das Denkmal wurde zum Kriegsende von den Alliierten zerstört. Danach wurde Anfang der 1950 Jahre von Kriegsheimkehrern aus Baumstämmen das „Heimkehrer Kreuz“ errichtet. Die Abmessungen waren so enorm (senkrecht 9 m, waagerecht. 6 m), dass dieses Kreuz mit 4 Stahlseilen abgespannt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde dieses durch den Verband „Politisch Verfolgter des Kommunismus e.V.“ durch ein neues Kreuz ersetzt.






 Fotopostkarte: Bergfried mit Hakenkreuz


Da die Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen nicht mehr ausreichten, wurde der Tanzsaal 1933/34 erweitert.

1934 wurde ein Küchenanbau erstellt, um die steigenden Anforderungen an die Gastronomie weiterhin zu bewältigen. Das Wasser aus dem Burgbrunnen war wegen seiner Qualität nicht mehr nutzbar. Das Trinkwasser musste jetzt per Wasserfass und Pferdegespann aus Altenhagen geholt werden.

Nach dem Krieg ging das gesellschaftliche Leben weiter.




1952 feierte die Familie Semp ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum, der Verschönerungsverein sein 60-jähriges Bestehen mit der bekannten Kapelle Pinkanelle aus Wolfenbüttel und einem großen Jubiläumsball.

Als Hermann Semp jun. 1956 starb, trat seine Frau mit Ihrer Tochter Annemarie in den Pachtvertrag ein. Der Pachtvertrag beinhaltete auch das Recht, den Bergfried gegen Eintrittsgeld (10 Pf.) Besuchern zugänglich zu machen.

An den Sommerwochenenden war der Besucherandrang im Lokal und Biergarten sehr groß. Für Gäste, welche mit dem Fahrrad angereist waren, zur damaligen Zeit ein Wertgegenstand und häufig genutztes Verkehrsmittel, wurde ein bewachter Fahrradstand angeboten. Gegen kleine Bezahlung konnten die Fahrräder in sichere Obhut gegeben werden (50 Pf. pro Tag, 30 Pf. pro ½ Tag).

Seit 1920 wurde das Burgbergrestaurant an das Stromnetz der Überlandzentrale Helmstedt angeschlossen. Durch die externe Lage mussten die Anschlusskosten vom Verschönerungsverein selbst getragen werden. Eine erhebliche finanzielle Belastung.

Im Jahr 1954 erfolgte auch der Anschluss an das örtliche Wasserleitungsnetz. Eine extra dafür gebaute Pumpstation, westlich in den Berghang, garantierte den nötigen Wasserdruck. Der später gebaute Schmutzwasserkanal-Anschluss in das Ortsnetz ermöglichte den Einbau zeitgemäßer Toiletten. Die bisherigen Toiletten im Erdgeschoß unter dem Tanzsaal wurden nicht mehr benötigt.

Fotopostkarte von 1922: Biergarten mit Pavillon und Wirtshaus - am Pavillon links der Ausschank


Bis etwa Mitte der 1970er Jahre waren die bekannten Tanzveranstaltungen, mit der „legendären“ Hauskapelle  „Die Schwarzen Raben“ ,  zu Ostern, Tanz in den Mai, Himmelfahrt, Pfingsten, Weihnachten, immer bestens besucht.

Jedes Jahr in der Adventszeit wurde für die Lichtenberger Bevölkerung im Saal von der Volksschule ein Weihnachtsmärchen aufgeführt.

Postkarte 1955:  Blick vom Parkplatz auf den Saal und die Gaststätte 

rechts Garage, dahinter der Pavillon; vorn links das Symbol des Wirtschaftswunders.


 Anzeige in der Festschrift "100 Jahre Lichtenberg" 1957


 Postkarte von 1977



Nach dem Tod von Frau Semp wurde die Wirtschaft von ihrer Tochter, jetzt Annemarie Hitz und ihrem Mann Rudi Hitz, bis 1976 weitergeführt.

Von 1976 bis 1982 waren die Eheleute Cornelia und Rainer Dettbarn Pächter.

1980 feiert Lichtenberg ein großes Burgfest. Die örtlichen Vereine beteiligten sich mit Ständen daran, ausgerichtet nach dem vorgegebenen historischen Motto. Zu diesem Burgfest wurde die Herzogin Viktoria Luise, Tochter des letzten Kaisers Wilhelm II.  und Prinzessin zu Braunschweig – Lüneburg, als Ehrengast eigeladen.

Es folgten bis zum Verkauf der Immobilie noch einige Pächter,
Fricke, Dollas, um einige zu nennen.

Der Wohnraum über dem Musikpavillon, welcher über eine Naturtreppe zum Bergfried zu erreichen war, wurde bis 1988 von einer Gruppe der Naturfreunde aus Salzgitter Thiede als Heim benutzt.


Postkarte von 1985 mit vier Ansichten:  (Wirtin Barbara Dollas) 
oben links.: Gasthaus mit Saal, unten links: Terrasse, Biergarten Nordseite
oben rechts: Blick vom Biergarten in die Ebene, Fredenberg mit Salzgittersee
unten rechts: Tanzsaal nach der Renovierung mit Trennwänden


1988 wurde das Lokal an Herrn Peter Paunovic verkauft. Durch den neuen Besitzer wurde der Pavillon abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Hotel errichtet, das „Waldhotel Burgberg“.

Es entstand ein Biergarten mit Grillplatz und Ausschank. Man hatte von hier aus einen herrlichen Blick über den Ort Lichtenberg bis weit in die Ebene.

Da es in der näheren Umgebung inzwischen nur noch wenige Räumlichkeiten mit dem Raum- und Platzangebot wie den Burgbergsaal gab, wurde der Saal gern für Hochzeitsfeiern, Vereinsveranstaltungen, wie die „Blau Gelbe Nacht“ des MTV Lichtenberg, oder die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenberg genutzt.

Neue Pächter ab dem 15. Oktober 1988 sind Gudrun Schönecke und Uwe Lotze. 

Es folgten im Laufe der Zeit im Wechsel noch weitere Pächter, wie für mehrere Jahre die Familie Dombrowski.

 links: Hotelbau, errichtet auf der Fläche des ehemaligen Pavillons/Veranda

 

 Ostgiebel der Gaststätte, rechte Seite Erweiterungsbau der Küchenräume von 1934, darüber Clubräume



Blick Richtung Osten auf das Hotel.:
hinter dem Gebäude der Burggarten und das „Verließ“; linke Bildhälfte: ein Teil des Bier–/ Kaffeegartens

Bis zum Verkauf des Anwesens wurde der Gastronomie- und Hotelbetrieb von der Familie Paunovic betrieben.

2019 gab es einen Besitzerwechsel. Herr Otto Rui aus Braunschweig war nun der neue Eigentümer.
Dieser musste zur Umsetzung seines Konzeptes umfangreiche Renovierungs- und S
anierungsarbeiten im Gasthaus, Saal und Hotel mit den dazugehörigen Funktionsräumen sowie den Außenanlagen vornehmen, was eine zeitnahe Wiedereröffnung verhinderte.

Die COVID 19 – Pandemie mit ihren Auflagen, Fachkräftemangel im Handwerk und Materiallieferengpässen trugen ebenfalls mit dazu bei.

Der örtlichen Presse war am 12. März 2022 zu entnehmen, dass die Burgberggastronomie, unter der Bezeichnung „Peak Hotel“ , ab dem 1. April 2022 als Restaurant und Hotelbetrieb mit Wellness Bereich  den Gästen wieder zur Verfügung steht. Das Pächterehepaar, Nicole und Philip Schwalm, freut sich auf die Gäste.



Nach umfangreichen Renovierungs– und Sanierungsarbeiten ist der Gastronomiebetrieb auf dem Burgberg am 01. April 2022 wiederaufgenommen worden.




15.02.2022


Das Waldkurhaus

Am südlichen Ortsrand, unterhalb des Burgberges, befindet sich der „Seniorenwohnsitz Waldkurhaus“, früher Gaststätte und Ausflugslokal, Waldkurhaus Everling. In der Bevölkerung überwiegend nur Kurhaus Everling genannt.

Aus den Anfängen:
Wie in dem Brandversicherungskataster von 1754 verzeichnet, war ein Teil des Kurhausgrundstücks ursprünglich ein Brinksitzerhof im Besitz eines Andres Bode.

(Brinksitzer = Anwesen mit Garten, kein oder wenig Ackerland).

Ein neu errichtetes Gebäude, später in der Bevölkerung auch „Haus Anna“ genannt, 
entstand im Jahr 1850.
Es ist durch einen Ehestiftungs – und Erbfolgevertrags weiter überliefert, dass 1844 die unverehelichte Henriette Robold aus Oberfreden Haus und Land als Brautschatz in die Ehe mit dem Seilermeister Jacob Hille einbrachte.
Durch erfolgreichen Zukauf 1856 von der herzoglichen Kammer (Land der Domäne) und 1861 durch einen Grundstückstausch, konnte Hille das Grundstück nun auf 3 Morgen und 71 ½ Quadratruten (entspricht ca. 9630 m²) vergrößern.
Im Jahre 1876 vererbte die Witwe Hille das Anwesen an ihren Sohn Christian Hille. Dieser verkaufte den Besitz 1886 an den Oberförster a.D. Carl Siemens.
Im Kaufvertrag waren die Altenteilsrechte, u.a. das Wohnrecht der Witwe Hille, geregelt. Dem Käufer wurde in diesem Vertrag eingeräumt, ab dem 2. November 1886 im Haus bauliche Veränderungen vorzunehmen. Hier beginnt die eigentliche Zeit des Kurhauses.

Viehstelle und Scheune wurden noch im gleichen Jahr zu Gästezimmern und einem Speisezimmer umgebaut. Es entstand ein Pferdestall mit Unterstellmöglichkeiten für 12 Pferde, sowie direkt am Haus ein weiteres Gebäude mit Stall und Aborten.

Carl Siemens war sehr baufreudig.
Im Jahr 1886 ließ er ein Logierhaus, das spätere Kurhaus, bauen. In diesem Gebäude entstanden neben vier Fremdenzimmern, ein Salon jeweils im Erd –und Obergeschoß. An der östlichen Giebelseite wurde eine Veranda angebaut. 1889 entstand ein neues Gästezimmer, eine Küche und ein Tanzsaal. Dieser wurde parallel zum Weg Prunzelberg errichtet.

Zum 1. April 1894 verkaufte Carl Siemens den gesamten Besitz an Christian Everling. 
Christian Everling wollte seine Gastwirtschaft in Braunschweig, den „Bayerischen Hof“ , nicht aufgeben und verpachtete das Kurhaus an den Geschäftsreisenden Franz Zincke. Dieser erhielt im Februar 1894 von der herzoglichen Kreisdirektion die Genehmigung im „Logierhause und Restaurationsgebäude" die Gastwirtschaft zu betreiben.

                 
 

Postkarte von 1894:
eine der ältesten Ansichtskarten im Stadtgebiet, verschickt am 5. August 1894 nach Gielde
(die Ansichtskarte mitzubeschreiben war in dieser Zeit üblich)

Postkarte von 1901 (Farblithografie - Totalansicht)
untere rechte Ecke: Pferdestall und Eselstall
in der Verlängerung: Haus Anna mit Stallgebäude und Aborte
links: der Tanzsaal
rechts daneben: das Kurhaus
in der Verlängerung: die herzogliche Oberförsterei


            Postkarte von 1901 (Farblithografie )
                         Ansicht: Tanzsaal, Kaffeegarten und Kurhaus mit Veranda


Im Jahre 1920 übergab Christian Everling den Besitz an seinen Sohn Emil Everling. Dieser hatte das Kurhaus schon einige Jahre als Geschäftsführer geleitet, da sein Vater in Braunschweig bleiben wollte. Im Braunschweigischen Landesadressbuch von 1904 wird Emil Everling schon als Kurhausverwalter geführt.
Immer wiederkehrende Sommergäste, Wochenendausflügler sowie Gäste aus dem Ort sorgten in den kommenden Jahren für gute Geschäfte. Die mit dem Zug anreisenden Feriengäste wurden mit einem Eselgespann vom Lichtenberger Bahnhof abgeholt.

Der Domänenpächter Uibeleisen feierte mit seiner Belegschaft die Erntefeste und Weihnachtsfeiern im Saal des Kurhauses. Dieses geschah im jährlichen Wechsel mit dem Burgberg. 

Zur Nord- und Westseite war der Saal umlaufend mit einer Überdachung versehen, welche den Gästen die Möglichkeit gab, auch bei schlechtem Wetter geschützt im Freien zu sitzen. Das Kurhaus war auch Vereinslokal des Lichtenberger Männergesangverein „Eintracht“. Man traf sich wöchentlich in der Gaststube zum Singabend. 

Alle Vereinsvergnügen und Sängerfeste fanden im Saal oder auf dem Kurhausgelände statt. Um für diese Feste ein Festzelt aufbauen zu können, bedurfte es einer sehr gewagten Baukonstruktion. Um die Höhenunterschiede dem abfallenden Gelände anzupassenden Sitz- und Stellflächen des Kaffee- und Biergartens auszugleichen, wurden als Auflage für die Unterkonstruktion des Zeltfußbodens bis zu zwei leere Holzbierfässer übereinandergestellt.

             Blick auf die am Ostgiebel vorgebaute, überdachte Terrasse
rechts: der Giebel vom Tanzsaal


Foto Postkarte vom 1903:
Blick auf das Kurhaus mit Saal
Eselgespann auf dem Weg Prunzelberg



           Postkarte vom 1907 (Farblithografie)
  Ansicht des Kurhausgeländes


Postkarte vom 23.05.1914 - Ansicht:
Südseite des Kurhauses vom Standort "Stukenbergweg"
rechts: Einmündung in den Weg "Klare Perle"




Eingangstor zum Kurhausgelände
im Hintergrund der Saal und das Kurhaus
rechts: Hausgiebel von Haus Anna



die Straße Prunzelberg: eine beliebte Rodelstrecke
rechts: der Kurhaus-Saal
 

Der zweite Weltkrieg veränderte die Situation in der Lichtenberger Gastronomie erheblich. Das Leben der Menschen waren mit zunehmender Kriegsdauer anders ausgerichtet. Das Vereinsleben war gänzlich eingestellt bzw. in staatliche Einrichtungen eingegliedert.
Während der Kriegsjahre 1940 – 1945 war das Kurhaus an den Gastwirt Heinrich Münich aus Braunschweig verpachtet.

Der Sohn von Anna und Emil Everling kam aus dem Krieg nicht zurück. Er galt als vermisst. Das Kurhaus wurde nun von der Schwiegertochter Elfriede Everling mit Unterstützung ihrer Schwiegereltern weitergeführt.
                    Annonce in der Festzeitung "100 Jahre Lichtenberg" im August 1957 

Nach Ende des Krieges wollten die Menschen nach den Entbehrungen in den Kriegsjahren, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, das Leben wieder genießen. Das sich entwickelnde Wirtschaftswunder trug mit dazu bei.  An den Feiertagen und Wochenenden „pilgerten“ die Menschen oft zu Hunderten wieder nach Lichtenberg. Auf den Wiesenflächen vor dem Wald, in der Ausdehnung vom Kurhaus bis zum Heimkehrer Kreuz, wurde gelagert, gespielt und mitgebrachter Kaffee und Kuchen verzehrt. Wer es sich leisten konnte, kehrte im Kurhaus ein, um dort eine „Krystalla“ Limonade, von der Mineralwasser Fabrik Otto Unverzagt (Lichtenberg), eine „Kunath – Bockwurst“ oder eine Tasse „Heimbskaffee“ (bekannte Firmen aus Braunschweig) zu genießen. Das Kurhaus war auch für seine sehr gute Küche bekannt.

Frau Elfriede Everling wohnte als alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter und den beiden Söhnen im Kurhaus. 

Ihre Schwiegereltern, Anna und Emil Everling, hatten ihre Wohnung im „Haus Anna“. Bedingt durch den nach dem Krieg herrschenden Wohnraummangel fand die Flüchtlingsfamilie Matejasik bis 1953 dort Wohnraum. Im rechten Eingang des Hauses hatte Familie Ernst Rieger eine Wohnung.

               Wohnhaus und Wohnung von A. und E. Everling
                                 rechter Eingang: Einliegerwohnung Rieger


 
           Postkarte mit 4 Ansichten von 1965
                         oben links:       Blick über die alte Trassenführung der Burgbergstraße auf Lichtenberg
                         oben rechts:    Westgiebel mit Treppenhaus
                         unten links:     Terrassen des Kaffeegartens
                         unten rechts:  Clubzimmer


Zum Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre, flachte das Geschäft der Gastronomie im Kurhaus immer mehr ab, auch bedingt durch die Ortsrandlage. Ebenfalls war das Kurhaus mit seinem steilen Anstieg zu Fuß schwerlich zu erreichen. Autofahren nach Alkoholgenuss wurde immer gezielter polizeilich geahndet.

1961 eröffnete sich für Familie Everling eine neue, weitere Einnahmequelle. Die Bundesrepublik Deutschland gestattete es, deutschen Unternehmen, zur Behebung des Arbeitskräftemangels,  im Ausland Gastarbeiter anzuwerben.
Davon machte u.a. auch die SASTA  (Salzgitter Stahlbau) aus Salzgitter-Watenstedt Gebrauch. Da sie aber für die angeworbenen italienischen Gastarbeiter in Salzgitter-Heerte nicht genügend Wohnraum zur Verfügung hatte, wurden auch im Kurhaus Gastarbeiter untergebracht. Da von der SASTA den Gastarbeitern eine Kostenbeteiligung abverlangt wurde und die Unterkunft im Kurhaus komfortabler als die in den Wohnbaracken in Heerte war, zogen die Bewohner meist nach ca. 1 ½ Jahren in andere Unterkünfte.
Ein Gastarbeiter aber blieb für immer. Aus dem jungen Sizilianer Salvatore Palmeri und der Tochter des Hauses, Waltraud Everling, wurde ein Ehepaar. Sie gründeten eine Familie und bekamen 2 Töchter. Diese junge Familie war eine Verstärkung für den Gastronomiebetrieb.

Das Kurhaus fand als Gastarbeiterunterkunft schon nach kurzer Pause wieder Verwendung. Die Firma Blaupunkt Hildesheim hatte für das Zweigwerk in Salzgitter-Lichtenberg türkische Gastarbeiterinnen angeworben. Diese wohnten nun für einige Zeit im Kurhaus.
Das Ende des Kurhauses zeichnete sich ab. Frau Everling sah sich altersbedingt nicht mehr in der Lage, den Betrieb noch weiter zu bewirtschaften. 1968 wurde der Gastbetrieb eingestellt. Die Sanierungsarbeiten wären zu umfangreich gewesen, z. B. hätte das Dach erneuert werden müssen, auch gab es für den Saal keinen ausreichenden Nutzungsbedarf mehr. 1969 wurde der Saal abgerissen.

Ein größeres Stück Garten und Ackerland nördlich von Haus Anna sowie die Fläche des abgerissenen Pferdestalls wurden als Bauplätze verkauft. Familie Palmeri baute für sich selbst dort ein Wohnhaus mit Zufahrt von der Klaren Perle.

1977 wurde das Kurhaus an Herrn Detlef Düßmann verkauft. Dieser nahm einige Umbauten vor. Das Kurhaus wurde ein Seniorenwohnsitz.

Ein Aufenthaltsraum/Speisesaal wurde gebaut. Haus Anna diente Herrn Düßmann als Wohnung. Ein Teil des Hauses wurde in die Nutzung als Seniorenwohnungen mit einbezogen. Im Laufe der Zeit wurden die Außenanlagen als Parkplatz, Zier- und Therapiegarten hergerichtet.

Der Seniorenwohnsitz wurde später von einem neuen Besitzer, Herrn Stein, übernommen. Dieser nahm weitere Um- und Erweiterungsbauten vor. Vom Haupthaus aus entstand eine Verbindung nach Haus Anna mit einem überdachten Wandelgang. Vor Haus Anna wurde ein Treppenturm mit Fahrstuhl errichtet. Der Seniorenwohnsitz war für viele Lichtenberger* innen für ihren letzten Lebensabschnitt ein beliebter Wohnort und ein Teil Heimat.

                    Tafel im Eingangsbereich
                                           Stiftung zum Betriebsjubiläum
                                           von dem ehemaligem Ortsheimatpfleger Hermann (Männe)  Brinkmann


 
                                                  Südseite: Ansicht nach dem Umbau
                                                  (vom Stukenbergweg auf den Seniorenwohnsitz)

 
                       Nordansicht (von der Klaren Perle)


      Eingangsbereich zum Seniorenwohnsitz
           rechts der Speisesaal



 

Sicht auf den Treppenturm mit Fahrstuhl
- links daneben Wandelgang vom Haupthaus nach Haus Anna 
 

                        Wandelgang vom Haupthaus zum Haus Anna 


 
Haus Anna nach dem Umbau aus nördlicher Sicht
Standort: Klare Perle




 
Blick vom Stukenbergweg - Dezember 2021

Zum Jahresende 2021 wurde bekannt: das Kurhaus wird 2022 abgerissen.
Die Abrissarbeiten haben im Februar 2022 begonnen.  Es soll ein neues Altenheim entstehen. 

Ein weiteres historisches Gebäude in Lichtenberg wird es dann nicht mehr geben.








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19.12.2021

 

Teil 2      Lichtenberger Hof - ehemals "Gasthof zur Linde"


Unweit der Gaststätte „Zum Amtskrug“, etwa 100 m der Burgbergstraße Richtung Burgberg folgend, befindet sich auf der gleichen Straßenseite das Grundstück der Gaststätte „Lichtenberger Hof“, früher Gasthof „Zur Linde“. Die beiden Grundstücke wurden nur durch den „Küchengarten“ der Domänengärtnerei getrennt.

 In alten Aufzeichnungen wird das Anwesen zum ersten Mal 1732 erwähnt. Der im Fachwerk verbaute Schwellbalken weist aber schon die Jahreszahl 1682 aus. Aus Übergabeurkunden geht hervor, dass dieses Anwesen nicht schon seit seinen Anfängen Schankwirtschaft war.

Von 1754 bis 1856 war das Haus im Besitz der Familie Schröder.

Es ist überliefert, dass zum Beispiel im Jahr 1827, zur Eheschließung des Kaufmanns Wilhelm Schröder mit der Tochter des Pastors Hefemüller aus Wolfenbüttel, ein Übergabe- und Erbfolgevertrag geschlossen wurde, in welchem die Mutter Schröder ihrem 26jährigen Sohn einen Kothof mit Garten, Wiesen, Holzteilung mit der bisher im Hof betriebenen Handlung sowie deren Warenlager überschrieb. Eine Schankgerechtigkeit ist hier noch nicht erwähnt.

  • Innschrift mit Jahreszahl auf dem Fachwerkbalken
  • Auch sind im amtlichen Geldregister des Amtes Lichtenberg für das Jahr 1791/92 noch keine Krug-Zinsen für dieses Haus ausgewiesen. Daher wird angenommen, dass es sich in Vorzeiten um einen Kothof* mit Handelsbetrieb gehandelt hat.

*Kothof: Hofstelle in einer Größe von 1 – 40 Morgen Ackerland, oft nur großer Nutzgarten am Haus.


Im Jahr 1883 gehört der Hof Hermann Wesche aus Lichtenberg.

1888 erwarben Sophie und Heinrich Brunke dieses Anwesen. In diesem Kaufvertrag wird ausdrücklich neben dem Handel auf die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft hingewiesen.

1892 übergaben die Eltern an ihren Sohn Luis Brunke. Der wiederum verkaufte am 30. Mai 1902 an Fritz Wunsdorf.

Im Jahre 1931 verkaufte Fritz Wunsdorf die Wirtschaft an den Gastwirt Willi Brüggemann für 31000 Reichsmark. (zum Vergleich ø - Jahresverdienst eines Arbeiters 1931 = 1900 RM)


 

Postkarte mit zwei Motiven von 1902, Verlag Otto Diettrich. Salder

 obere Ansicht: 

  • Blick vom Bahnhof Lichtenberg Richtung Ort und Lichtenberg
  • Rechts - an der Straße nach Reppner: die Windmühle mit dem Müllergebäude und dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Unverzagt

untere Ansicht: 

  • Blick auf die Einfahrt und das Gebäude der Gastwirtschaft und Ausspann Gasthof „Zur Linde“, Wirt Louis Brunke





Untere Ansicht der Postkarte von 1902:

  • links ist das Dach vom angebauten Saal zu erkennen
  • rechts die Wirtschaftsgebäude für den Ausspann der Gäste



Zum Anwesen gehörten eine Kegelbahn und ein Saal mit Sitzplätzen und Tanzfläche für ca. 200 Gäste. Wann die Kegelbahn und der Saal gebaut wurden, ist nicht bekannt; wahrscheinlich etwa um 1900. Bedingt durch die natürliche Hanglage in Süd–/Nordgefälle wurde der Saal erheblich tiefer an das Hauptgebäude angebaut. Er war vom Clubzimmer, welches in der Höhe vom Hauptgebäude versetzt angebaut war, nur über eine etwa 2 m hohe Treppe, deren Stufen im Halbkreis angeordnet waren, zu erreichen. Es ist anzunehmen, dass sie nach Alkoholgenuss ein stark erhöhtes Gefahrenpotenzial bildete. Es gab an der Süd–/Westseite ebenerdig einen Notausgang.

Der Saal diente dem 1912 gegründeten Männer-Turn-Verein Lichtenberg gleich nach seiner Gründung als „Turnboden“. Erst nach dem 2. Weltkrieg kamen beim MTV neben dem Männerturnen weitere Sparten hinzu. Der Gasthof „Zur Linde“ war bis zum Verkauf und Umbau zur Diskothek immer Vereinslokal des MTV. Bei Heimspielen der Fußballer wurde der Saal auch zum Umkleiden der Mannschaften genutzt. Das Clubzimmer hatte an der Ostseite als Zugang zum Sportplatz und auch an der Westseite für Kinogänger und Saalnutzer einen separaten Eingang.

Die für einige Jahre in Lichtenberg bestehende Laienspielgruppe führte hier Theaterstücke auf. Der Feuerwehrball zu Silvester und der Tanz in den Mai waren gut besuchte Veranstaltungen.

Postkarte von 1926:

obere Ansicht: 

  • Hof u. Gebäude, links im Anschluss an den Staketenzaun zwischen den Bäumen, der Eingang zum Saal

untere Ansicht:

  • die Burgbergstraße Blick: Richtung Burgberg 
  • im Vordergrund der Nutzgarten, dem späteren Standort des Kaufhauses Bleckmann
  • Fachwerkgiebel vom Wohnhaus u. Wirtschaftsgebäude Hermann Ehlers - später ausgebaut, heute Wohnhaus Familie Kniebel
  • rechts davon Wohnhaus u. Stallung Tischler Blume, heute Wohnhaus der Familien Herfort u. Heimlich



Ab Anfang der 1950er Jahre bis Mitte der 1960er Jahre fanden jeden Donnerstag Filmvorführungen im Saal statt. Ein mobiler Filmvorführer aus Baddeckenstedt reiste mit seinen Vorführgeräten an und zeigte um 17.00 Uhr in der Jugendvorstellung (Eintritt 0,50 DM) und um 20.00 Uhr in der Abendvorstellung (Eintritt 1,00 DM) jeweils aktuelle Filme der damaligen Zeit. Immer beginnend mit „FOX Tönende Wochenschau“ und Werbung im Vorspann.

In einem Schaukasten rechts neben der Grundstückszufahrt, mit Ansicht zur Burgbergstraße, wurde mit einem großen Poster und mehreren Szenenbildern der Film des nächsten donnerstags angezeigt.

Wegen Mangel an geeigneten Räumen fand im Winterhalbjahr der Turnunterricht der Volksschule in den 1950er Jahren auch in diesem Saal statt.





Postkarte von 1902:

Luis Brunke:  verschickt nach St. Dien – Vogesen




Postkarte mit drei Motiven von 1953, aufgelegt im Auftrag der Wirtsleute Erika und Hans Lindhorst

  • links: der Bergfried auf dem Burgberg,
  • oben.rechts: Blick vom Heimkehrer-Kreuz – Kanzel Salzgitter über die Domänenweiden auf das Neubaugebiet Memeler Straße, Buchenlandstraße
  • unten rechts: Sicht auf den Gasthof aus dem Biergarten


Am 1. Dezember 1956 wurden neue Besitzer des Gasthofs „Zur Linde“, Hans und Erika Lindhorst. 

Sie nahmen umfangreiche Renovierungsarbeiten im Gasthaus vor. Es wurden Fremdenzimmer mit dem derzeitigen Standard geschaffen und eingerichtet. Die Kegelbahn im südlichen Teil des Gartens wurde verlängert und renoviert.

Im Juni 1957 fand ein Schützenjugendtreffen des Kreises Salzgitter im Waldkurhaus statt. Durch einen Aufruf in der Zeitung war die Lichtenberger Jugend dazu eingeladen. Dieses Ereignis löste eine große Begeisterung, auch bei der erwachsenen Lichtenberger Bevölkerung, für den Schießsport aus. Der MTV Lichtenberg gründete eine Schießsportgruppe, welche mit einem provisorisch errichteten Schießstand zuerst auf dem Hof des Gasthofs später in der Kegelbahn dem Schießsport nachging. Schon 1957 trennten sich die Schützen vom MTV.

Am 23. Oktober 1957 wurde der Schützenbund „Horrido“ gegründet. Vereinslokal war der ‘Gasthof „Zur Linde“.

Anzeige in der Festschrift  „100 Jahre Lichtenberg“  im August 1957


Das erste Schützenfest fand 1958 statt. Für dieses Fest musste im Bier- und Nutzgarten eigens eine Fläche parallel zum Saal vorbereitet werden, um zusätzlich ein Festzelt aufbauen zu können. Es waren dazu größere Erdarbeiten und die Errichtung einer Stützmauer erforderlich. 1962 musste der Horrido sein Vereinslokal und Sportstätte, den Gasthof „Zur Linde“, verlassen.



Postkarte von 1962, Erika u. Hans Lindhorst,

  • oben: Gastraum mit Theke, Durchreiche – Öffnung zum Clubzimmer.
  • unten: Ansicht auf den Gasthof aus dem Kaffeegarten



Aus privaten Gründen verkaufte die Familie Lindhorst 1963 den Gasthof an Helmut Kuhfuß.

Herr Kuhfuß gab dieser Gastronomie ein völlig neues Konzept.

Der Saal wurde umgestaltet. Sehr rustikal mit Bruchsteinen und Schalhölzern zu einer Diskothek umgebaut. Ebenfalls wurden im Saal Toiletten eingebaut. Der Gasthof wurde nun umbenannt in „Lichtenberger Hof“.

Oberhalb der Tanzfläche gab es eine Bar. Das ehemalige Clubzimmer und ein Teil der Gaststube wurden zur „Weinstube“ umgebaut. Das Konzept war ein voller Erfolg.

Die Diskothek war bis weit über die Stadtgrenzen bekannt. Am Wochenende kamen mehrere Hundert Besucher. Der Ort war gänzlich zugeparkt. Ab und an wurden bekannte Künstler aus der Musikszene dem Publikum präsentiert.

Durch diese Veränderungen verlor der MTV sein Vereinslokal mit den dazugehörigen Umkleidemöglichkeiten und musste sich anderweitig orientieren. Gegen Ende der 1970er Jahre wurde der Diskothekenbetrieb eingestellt. Der Saal wurde abgerissen, die Weinstube in ein Kaminzimmer umgebaut und in den folgenden Jahren von wechselnden Pächtern betrieben.


Der Lichtenberger Hof aus ähnlichem Blickwinkel der alten Postkarten,

in aktueller Ansicht (2021): im Vordergrund der Biergarten

• links an das Hauptgebäude angesetzt das Kaminzimmer

• rechts vom Kaminzimmer ein separater Eingang

• links an das Kaminzimmer auf der ehemaligen Standfläche des Saales angebaut, ein Mehrfamilienhaus mit     Eigentumswohnungen



2003 wurde der Lichtenberger Hof von Herrn Kuhfuß an die Familie Dombrowski verkauft. Nach einem Brand 2005 in der mittleren Etage des Gasthofs wurden die Brandschäden beseitigt und im gleichen Zug das Kaminzimmer erweitert. Das Dach wurde heruntergezogen, so dass der Erweiterungsbau, jetzt mit Kegelbahn und Treppenhaus, im Abschluss eine Linie bildete.

Bis heute (2021) wird der Lichtenberger Hof von dem Gastwirt Frank Dombrowski als Hotel und Landgasthof betrieben.

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Bauliche und flächenmäßige Entwicklung des Anwesens des 

Gasthofs „Zur Linde“ im Laufe der vergangenen Jahre:


 Salzgitter-Lichtenberg um 1768             /         Salzgitter-Lichtenberg um 1904


Salzgitter-Lichtenberg um 1945             /         Salzgitter-Lichtenberg um 1988


Die Wirtschaftsgebäude rechts parallel zur Hofeinfahrt dienten damals als Unterstellmöglichkeit für Pferde der angereisten Gäste sowie als Stallung für das eigene Vieh, Lagerraum für Futter und Gerätschaften. In den 1930er Jahren bis Ende der 1940er Jahre waren in diesem Gebäude auch zeitweise Deckhengste vom Gestüt aus Bad Harzburg untergestellt. Da es in Lichtenberg zu dieser Zeit in der Landwirtschaft noch viele Pferde gab, konnten die Bauern ihre Stuten dort belegen lassen, um Fohlen zu bekommen.

An der östlichen Stirnseite der Wirtschaftsgebäude befanden sich die Toiletten, früher so üblich „über den Hof“.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es in diesen Wirtschaftsgebäuden auch eine Behelfswohnung für eine Flüchtlingsfamilie.

Schon längere Zeit vor dem Verkauf von W. Brüggemann an die Familie Hans u. Erika Lindhorst am      1. Dezember1956 hatte W. Brüggemann den westlichen Teil der Wirtschaftsgebäude zu Wohnraum umgebaut und bewohnte die obere Etage. Die Gastwirtschaft war seit Ende der 1948er Jahre schon an verschiedene Wirtsleute verpachtet.

Bis 1964 bewohnte die Familie Ehrenfried Schimek diese Wohnung und betrieb in der unteren Etage einen Damen- und Herrenfrisiersalon.

Der zum Wohnhaus ausgebaute Teil, Wohnung mit Frisiersalon, wurde von der Familie Margit und Roland Koller 1964 gekauft, erweitert und als Frisiersalon und Wohnung weiter genutzt.

Nach der Aufgabe des Frisiersalons durch die Familie Koller, wurde das Haus am 01.07.1999 von Jürgen Panek, Sanitärinstallateur, gekauft. Die obere Etage diente als Wohnung, in der unteren Etage wurde sein Firmenbüro betrieben; später ein Kosmetiksalon von der Kosmetikerin Frau Schubert.

Als die Räume von Jürgen Panek für die Eigennutzung gänzlich benötigt wurden, zog die Betreiberin des Kosmetiksalons in die vom neuen Besitzer renovierten Räume des ehemaligen Kaufhauses Bleckmann.


Teil der Wirtschaftsgebäude zu Wohn- und Geschäftsräumen umgebaut.

Hinter der zugemauerten Wandfläche befand sich der ursprüngliche Hauseingang. „Burgbergstraße 56“


Im südlichen Teil des Nutzgartens des Anwesens der Gasthof ‚“Zur Linde“ konnte der Kaufmann Hermann Bleckmann aus Baddeckenstedt ein Grundstück erwerben. Auf diesem Grundstück im Bereich der Einmündung der Straße „Alter Weg“, heute Gehrbusch in die Burgbergstraße, wurde 1954 ein Kaufhaus für Lebensmittel, Textilien und Handarbeitssachen errichtet.

In den ehemaligen Garten gebautes Kaufhaus

erbaut vom Kaufmann Hermann Bleckmann aus Baddeckenstedt

  • linke Seite:: Lebensmittelabteilung
  • rechte Seite: Bekleidung und Handarbeitsartikel



Nach dem Kaufmann Hermann Bleckmann wurde in diesem Gebäude von dem Kaufmann Hartmut Dietrich ein Lebensmittelgeschäft betrieben. Nach der Aufgabe des Lebensmittelgeschäftes, kam das Gebäude in den Besitz der Familie Dora, die unter der Bezeichnung „Ambiente“ bis 2019 einen Floristik- und Bastelshop betrieb.

Nach Aufgabe des Floristik- und Bastelshops „Ambiente“ wurde das Gebäude an Frau Harms verkauft und komplett renoviert. In der rechten Seite des Gebäudes wird zurzeit (2021) ein Friseursalon „Schnittwunder“ von Danny Hadbawnik betrieben und auf der linken Seite ein Kosmetikstudio von Frau Schubert „Shorty’s Beauty-Point“.

Ebenfalls im südlichen Teil des Nutzgartens des Anwesens des Gasthofs “Zur Linde“, neben dem Kaufhaus Bleckmann, wurde von der Familie Jeremias ein Baugrundstück erworben und 1976/77 ein Mehrfamilienhaus mit Garagenhof errichtet. Im Erdgeschoß wurde die neue Poststelle eingerichtet und
am 28. März 1977 bezogen.

Als die Poststelle vom Betreiber, der Deutschen Post, dort wieder aufgegeben wurde, war in diesen Räumen für kurze Zeit eine medizinische Praxis untergebracht und zeitweise auch ein Blumenladen.

Die Poststelle befand sich von da an als Agentur in „Kerstin‘s Laden“, Upn Kampe 11/ Ecke Kornstraße.

(2021 bekam „Kerstin‘s Laden“ einen neuen Mieter und einen neuen Namen: „Cibus“. Die Poststelle wird weiter in diesem Laden betrieben.)


linkes Gebäude: Burgbergstraße 58, ehemaliges Kaufhaus Bleckmann, nach einer Grundrenovierung 2018/19 jetzt

• links Kosmetiksalon „Shortys Beauty-Point“

• und rechts Friseursalon „Schnittwunder

rechtes Gebäude: Gehrbusch 2

• Wohnhaus mit ehemaliger Poststelle, gebaut von der Familie Jeremias


Der nicht ausgebaute Teil der Wirtschaftsgebäude auf dem Anwesen des Gasthofs „Zur Linde“ wurde abgerissen und dort ein Garagenhof mit Parkplätzen errichtet.


Auf einer weiteren Fläche des ehemaligen Nutzgartens im nordwestlichen Teil, parallel zur Burgbergstraße, entstand ein Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen mit den dazugehörigen Zufahrten und Garagen sowie eine Arztpraxis (Dr. med. Karl-Adolf Hillmer) und eine Praxis für Allergie- und Schmerztherapie von dessen Ehefrau, Heilpraktikerin Helia Hillmer. (Fertigstellung 1985)


• „Burgbergstraße 54“ (Ansicht seitliche Südseite)

• Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen und Arztpraxis, Garagen und Stellplätzen im Kellergeschoß

• gebaut auf die Fläche des nordwestlich an der Burgbergstraße gelegenen Nutzgartens




Mit etwa den Grundabmessungen des abgerissenen Saales wurde auf der ehemaligen Standfläche 1988/89 ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen gebaut.


Burgbergstraße 54 A“ (Ansicht von hinten)

• Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen errichtet 1988/89 auf der Grundfläche des ehemaligen Saals. Eingang von der Ostseite (Sportplatzseite)


An der Ostseite des Gasthofs wurde 1988/89 ein Treppenhaus angebaut.

„Lichtenberger Hof“, Burgbergstraße 54 C“ (Ansicht von hinten)

• vorgebautes Treppenhaus als Fluchtweg für die Fremdenzimmer im Obergeschoß

• rechts die Erweiterung des Kaminzimmers

• links die Kegelbahn



In dem ehemaligen „Küchengarten“ der Domäne, welches Gelände auch zum Besitz des Gasthofs „Zur Linde“ / „Lichtenberger Hof“ gehörte, hat Herr Kuhfuß eine Pension/Hotel im spanischen Baustil gebaut – das „Landhaus Chica“.

Herr Kuhfuß verlegte seinen Wohnsitz nach Spanien. Das „Landhaus Chica“ wurde von seiner Ehefrau betrieben. Nachdem Frau Kuhfuß aus Altersgründen in einem Altenheim untergebracht wurde, erwarben 2016 Volkmar und Carmen Plewa das Landhaus und renovierten es komplett.

Es entstanden 3 Wohnungen zur Vermietung sowie im Hotelbetrieb 5 Hotelzimmer mit eigenem Zugang und 1 Apartment-Wohnung.

Die Apartment-Wohnung und die Hotelzimmer werden von Frau Carmen Plewa betrieben, auch heute (2021) noch unter dem Namen „Landhaus Chica“.


Bild 2021: „Landhaus Chica“ 5 Hotelzimmer mit separatem Eingang  (Ansicht von hinten) - „Burgbergstraße 52“




Bild 2021: „Landhaus Chica“ von der Straßenseite Burgbergstraße aus gesehen - "Burgbergstraße 52“





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19.12.2021


Teil 1     Der Amtskrug

Aus den Anfängen:

Es gibt keine verlässliche Zeitangabe zur Entstehung des Gebäudes. Auf dem Merian - Stich von 1654 ist der Amtskrug noch nicht vorhanden. In den Unterlagen des Amtes Lichtenberg wird der Amtskrug stets als zweiter Krug bezeichnet.




Durch Münzfunde im Garten des Amtskruges lässt sich die Datierung des Gebäudes in die Zeit zwischen 1654 und 1667 festlegen.

Das Gebäude gehörte, bis zu seinem Verkauf 1779 an die Familie Wasmus, zum Amtsbesitz des Amtes Lichtenberg.

Von 1744 bis 1779 in Erbzins, danach bis 1893 als Eigentümer, wurde es in wechselnden Generationen von der Familie Wasmus bewirtschaftet. Mitglieder dieser Familie versahen bis zur Auflösung des Amtes Lichtenberg und Verlegung der Gerichtsbarkeit nach Salder auch das Amt des Hogrefen. Diese Bezeichnung erklärt sich lt. Wikipedia aus dem Niederdeutschen, als Amtsbezeichnung für einen ordentlichen Richter an einem Gogericht, dem eines Gogrefen, später Hogrefe.

Als 1891 die Witwe Wasmus verstarb, wurde der Besitz auf die unverehelichte Schwester Luise Wasmus umgeschrieben. 1893 wurde der Besitz von der Luise Wasmus an den Oberamtmann Wilhelm-Adalbert-Langenstraßen, Pächter der Herzoglichen Domäne Lichtenberg, verkauft. 1910 verkauften die Erben der Familie Langenstraßen das Anwesen an den Lichtenberger Steinbruchpächter Heinrich Bode für 17000 Mark. Die „Krug Gerechtsame“, das Schankrecht, musste für 3000 Mark gesondert erworben werden.


Ansicht einer Postkarte v. 1908, verschickt nach Bad Harzburg. 

Die Zufahrt entspricht der heutigen Trassenführung, auf der rechten Seite, hinter der Baumreihe, die Scheune.


Bis 1979 blieb der Amtskrug im Besitz der Familie Bode. Von 1939 bis 1961 war er an Alfred Helmich verpachtet. In der Folgezeit gab es wechselnde Pächter: Fam. Giese, Hedwig Zorawsky u. Walter Bischoff, um einige zu nennen. Von 1971 bis 1979 wurde das Lokal noch einmal von der Familie Bode bewirtschaftet (Fiete Bode).

Neben dem Kaffeegarten in Richtung Norden gehörte zum Anwesen des Amtskruges auch ein großer Nutzgarten für den Anbau von Kartoffeln und Gemüse. In den 1970er Jahren wurde dieser Teil des Grundstückes abgetrennt und in Baugrundstücke umgewandelt. Dort wurde das Gebäude der heutigen Landessparkasse/Nord – LB und zwei weitere Mehrfamilienhäuser mit Zufahrt und Einstellplätzen errichtet.

Ebenso wurde die Scheune abgerissen und mit einem danebenliegenden Gartenstück in einen Bauplatz umgewandelt.

1979 wurde der Amtskrug an die Familie Kopetzky verkauft, welche die obere Etage als Wohnraum nutzte. Die Gastronomie der unteren Etage wurde in der Folgezeit von wechselnden Pächtern bewirtschaftet.

Ab 1982 wird das Lokal von Reiner und Cornelia Dettbarn bewirtschaftet.

Nach deren Aufgabe des Amtskruges gab es diverse Pächter, u a. Inge Doukas, Ernst Löper, Egon Specht – bis zum Verkauf am 01.09.2008 von Fam. Kopetzky an den neuen Besitzer Eddi Yüksel.

Der neue Besitzer renovierte die Räumlichkeiten und nahm einige Um- und Erweiterungsbauten vor. Ein weiterer Clubraum wurde als Flachbau vor die westliche Giebelseite gesetzt. Die Toiletten wurden erneuert und der Thekenbereich umgestaltet. Weitere Fremdenzimmer wurden geschaffen. Die vorhandene Einliegerwohnung wurde in Fremdenzimmer umgewandelt. 2018/2019  wurde der Amtskrug von Herr Yüksel an den Zahnarzt Samir Naja verkauft.

Seit dem 01.03.2009 wird der Amtskrug von der Familie Claudia und Ralf Rohmann bewirtschaftet. Leider plant die Familie Rohmann die Bewirtschaftung des Amtskruges zum März 2022 aufzugeben.

Noch bis Anfang der 1960er Jahre war Lichtenberg an den Wochenenden und Feiertagen ein beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer waren die Kaffeegärten aller Lichtenberger Lokale gut besucht, so auch der des Amtskruges.


Kaffeegarten mit voller Bestuhlung - an Sommerwochenenden in den 1950er Jahren immer gut besucht.


Über den Amtskrug und seine Räumlichkeiten, sind aus seiner Historie weitere erwähnenswerte Ereignisse und Gegebenheiten bekannt.

In den letzten Kriegsjahren 1944/1945 dienten Räume des Amtskruges vorübergehend als Kindergarten für den Ort Lichtenberg. Kindergärtnerinnen waren Frau Wedde und Frau Marianne Brinkmann.

Vor der Fertigstellung des Sportheimes des MTV Lichtenberg (1969) diente der Amtskrug mit provisorisch eingerichteten Waschmöglichkeiten vorübergehend als Umkleidemöglichkeit und Vereinslokal. Das bisherige Vereinslokal, der Gasthof zur Linde, stand zur Nutzung nicht mehr zur Verfügung.

Die Scheune diente bis zu ihrem Abriss in den 1970er Jahren, in den Anfängen als Ausspann. D.h., in Zeiten, als Personen und Güter noch mit Pferdegespannen transportiert wurden, musste lt. Pachtvertrag eine Unterstellmöglichkeit mit Versorgung für die Pferde und Geräte vorgehalten werden. Auch bedingt durch das Lichtenberg zugestandene Marktrecht, den Besuchern und Händlern dieser Markttage.

In den Jahren 1963 bis 1965 hatte sich der 1957 gegründete Schützenbund Horrido in der Scheune seinen Schießstand eingerichtet.

In den Anfängen des Fernsehens -  viele Familien hatten zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft 1954 und auch noch einige Jahre danach kein eigenes Fernsehgerät  - war beim Wirt Alfred Helmich im Amtskrug gemeinsames Fernsehen angesagt. Am Sonntagnachmittag trafen sich die Kinder und abends die Erwachsenen im Saal in der oberen Etage oder im Clubzimmer zum Fernsehen.

Eintritt wurde nicht erhoben, aber ein Verzehr wurde erwartet.

Der Verzehr für Kinder konnte aus einer kleinen Verkaufsvitrine auf dem Flur erworben werden:

5 Stck. Sahnebonbon „Stork Riesen“ – zu 10 Pfennig; 

1 Stck. Nappo – zu 0,5 Pfennig, 

Dr. Hillers Hustendrops, 

Lakritz-Schnecken oder Prickel-Pit 

waren bei den kleinen Gästen die begehrtesten Artikel.

Noch eine weitere besondere Leistung wurde während der Bewirtschaftung durch Alfred Hellmich im Amtskrug angeboten: In den Sommermonaten wurde an den Wochenenden mit einer Eismaschine Milchspeiseeis produziert und in Waffeln, die Kugel zu 10 Pfennig, verkauft.


Ansicht des Amtskruges im Winter:

Standpunkt vom Buswendeplatz, Haltestelle und Endstation der KVG

im Vordergrund – Torbogen mit Leuchtreklame und Schriftzug: „Inh. A. Hellmich“; 

Durchgang in den Kaffeegarten; hinten rechts die Scheune.




Anzeige in der Festschrift zur Hundertjahrfeier 100 Jahre Lichtenberg, im August 1957




Postkarte aus dem Jahr 1970 aufgelegt von der Inhaberin Waltraud Gazow:

Vier Ansichten: Frontansicht des Westgiebels mit Kaffeegarten, umgestaltet als Biergarten, Gaststube mit Theke, Clubraum, Biergarten.



Seit 1988 ist der Amtskrug Lichtenberg auch Vereinslokal des Heimatkreis Lichtenberg.

Hier finden die Zusammenkünfte, Treffen zu Versammlungen, Vorträgen und Vereinsfeiern beim Vereinswirt Ralf Rohmann statt. 


Lichtenberger Wappen an der Heimatstube gestiftet und angebracht von Ralf Rohmann




Der Amtskrug im Jahr 2021 mit angebautem Clubraum, der Heimatstube.



Blick aus dem Biergarten auf den Westgiebel mit der Heimatstube.





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11.10.2021


Liebe Heimatkreisfreunde!

Ich möchte Euch mal wieder etwas zum Nachdenken, oder zum Schmunzeln, mitteilen.

Es ist nicht von mir verfasst, aber – es „könnte“ von mir sein, oder von dir, oder von ihnen.


Das weiße Tütchen…..

Als ich eines Tages, wie oft ein wenig traurig, (wegen Corona) über den Schulhof schlenderte und mich auf einer Bank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben noch eventuell schief läuft, setzte sich ein kleines Mädchen zu mir.

Sie spürte  meine Stimmung und fragte: „Warum bist du traurig?“

„Ach“, sagte ich, „ich habe keine rechte Freude, bin meistens allein, von „keinem Glück“ will ich nicht reden. Keiner weiß wie es weitergehen soll, in dieser schlimmen Zeit.“

„Hmmm“ meinte das Mädchen, „wo hast du denn dein weißes Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte mal hineinschauen.“

„Was für ein weißes Tütchen?“ fragte ich verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“

Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein.

Ich bemerkte wie sie erschrak. „Es ist ja voller  Alpträume, voller Unglück und voller  schlimmer Erlebnisse!“

„Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern.“

„Hier nimm!“ sagte das Mädchen und reichte mir sein weißes Tütchen. „Sieh hinein!“

Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das weiße Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren  war.

„Wo ist dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.

„Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum!“ sagte sie.

„Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein weißes Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein weißes Tütchen und schaue hinein. Dann  geht es mir sofort besser.“

„Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein weißes Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“

Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden.

Neben mir auf der Bank lag ein weißes Tütchen. Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein.

Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen erhalten hatte.

Bei dem Gedanken musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mein schwarzes Tütchen zu entsorgen.



PS: Denkt bitte alle daran, eure schwarzen Tütchen wegzuwerfen. Meine weiße Tüte ist schon ganz schön voll.

Hoffentlich können wir uns alle bald einmal wieder sehen!


Eure Wera Matzke



Waldwanderung und Einweihung unserer Ruhebänke am 07.08.2021

Wir freuen uns sehr, dass wir unter Einhaltung der Corona-bedingten Auflagen nach langer Zeit mit einer Wanderung durch den Lichtenberger Wald entlang der von uns aufgestellten Ruhebänke wieder ein Treffen mit unseren Mitgliedern organisieren und durchführen konnten. Rechtzeitig konnten auch die Schilder mit den schönen Versen erneut und gut gesichert an den Bänken angebracht werden. Bei besten Wetterbedingungen und guter Stimmung war es ein sehr gelungener Tag, von dem wir hoffen, dass ihn alle in guter Erinnerung behalten. Nachfolgend einige Impressionen.



31.05.2021

Liebe Mitglieder und Freunde vom Heimatkreis !

Endlich ist es geschafft. Die fünf Ruhebänke stehen am Rundweg 27 und können nun ausgiebig genutzt werden. Auch die Edelstahlschilder sind inzwischen montiert worden. Die 6. Bank an der alten Badeanstalt steht auch schon seit einiger Zeit.

Ich hoffe, dass es allen gefällt und so manch einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Anbei noch ein paar Fotos.

Zur aktuellen Lage ( Lockdown): Vielleicht besteht die Möglichkeit, hinsichtlich der Corona Schutzbedingungen, dass ein Treffen im Außenbereich bald wieder möglich sein kann. Wir werden uns im Vorstand darüber verständigen und vielleicht mit einem kleinen Rundgang unsere Aktivitäten wieder aufnehmen. Alles nur unter der Prämisse was möglich ist . Sollte sich die Lage weiterhin entspannen, werden wir Euch darüber auf unserer Internetseite sowie in den Schaukästen informieren.

Bleibt gesund und haltet durch - alles wird Gut.

Liebe Grüße Klaus-Peter Matzke 










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10.04.2021

Ein herzliches „Glück-Auf“ liebe Heimatkreisfreunde!


Familie Henkel hat mal wieder auf ihrem Dachboden gekramt!! Dabei kamen alte in Sütterlinschrift geschriebene Schriftstücke zu Tage. Ein Gedicht habe ich mal ins Hochdeutsche übersetzt. Ein Datum dieser Aufzeichnung liegt leider nicht vor. 

Ich hoffe, Ihr habt trotzdem Spaß daran!

Wera Matzke, Schriftführerin

     


Als ich meine Milch heut ausgetragen,
hört ich in der Stadt die Leute sagen
das in dem Haus Polterabend wär,
und da eilt ich schleunigst dann hierher.

Will man auch nur im Vorübergehen
mir einmal die schmucke Braut besehen
und zugleich dem werten jungen Paar
bringen viele gute Wünsche dar.-

Sicher werdet ihr mich beide kennen,
oder muss ich meinen Namen nennen,
ich bin ja die kleine Milch Marie
hab im Dorf die besten Küh!

Tue meine Kunden, jeden Morgen
mit der schönsten, frischen Milch versorgen.
Bringe sie ganz unverfälscht und rein,
nicht ein Tröpfchen Wasser kommt hinein.

Gut und reichlich ist sie stets gemessen,
auch die Sahne drauf nicht vergessen.
Wenn ihr möchtet meine Kunden sein,
da bedenke ich euch doppelt fein!

Solltet dann schon bei dem Morgengrauen
pünktlich vor eure Türe schauen
und seht einen schönen Blumenstrauß,
brächt ich jeden Sonntag euch ins Haus.

Das ich kann nicht länger mehr hier stehen,
muss noch heut in viele Häuser gehen,
will erzählen aber auch, nein Ihr
gar so gut gefallet beide mir!

Drum  lebt wohl und mögen reiche Freuden
sein beschieden fort und fort euch beiden,
und denkt manchmal ihr in  eurem Glück,
an die kleine Milch Marie zurück!

Ein kleines Mädchen mit einer Milchkanne
und Blumenstrauß.


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Eine Lichtenberger Collage  

 (Wera Matzke Februar 2021)

 

 




 Jahreshauptversammlung (03.03.2020)



Frau Fach: "Unser täglich Brot gib uns heute" (04.02.2020)

Am Ende des tollen Vortrags bekamen wir noch ein leckeres Rezept für Brötchen zur Verfügung gestellt! Viel Spaß beim Ausprobieren!!


Neujahrsempfang (07.01.2020)


 Weihnachtsfeier (03.12.2019)



 Weihnachtsmarkt (30.11.2019)


 Lichtenberger Geschichten  (05.11.2019)

 

Besuch des Museums in Salder (08.10.2019)


Artikel aus der Zeitschrift der WEVG  (September 2019)

Volksfest  (30.08.2019 - 01.09.2019)



Tag der örtlichen Vereine  (10.08.2019)


Heimattag (27.07.2019)


Mühlenfest (10.06.2019)



Watenstedter Unterwelten (07.05.2019)



Lichtenberg in bewegten Bildern (02.04.2019)

Instandsetzung Heuwender (09.03.2019)



Ordentliche Mitgliederversammlung (05.03.2019)




Frau Fach: "Hygiene im Mittelalter" (05.02.2019)



Neujahrsempfang (07.01.2019)









Weihnachtsfeier (04.12.2018)



Weihnachtsmarkt (01.12.2018)




Volkstrauertag (18.11.2018)

Die Eisenbahn - Der Lichtenberger Bahnhof (06.11.2018)

  

  

 

Vereinsfahne Volksfest Kranzniederlegung (30.08.2018)



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